Über Reisen und Rezensionen

 
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Stell dir vor, du hast Urlaub. Was tust du?

Wahrscheinlich nicht ins Reisebüro gehen. Prof. Dr. Roland Conrady hat sich mit Studentinnen aus Worms mit dem Thema Customer Reviews zu Hotelbewertungen auseinander gesetzt. In einem Gastvortrag hat er das Ergebnis der Studie vorgestellt: Nutzer lassen sich sehr von Rezensionen im Netz beeinflussen. Sehr.

  • Fast 96% halten Customer Reviews für „wichtig“ oder „sehr wichtig“, aber etwa die Hälfte meint auch: „Mit Vorsicht zu genießen“
  • 90% nutzen Customer Review Sites immer oder häufig als Entscheidungshilfe
  • 86% der Befragten schätzen Bewertungen als „sehr glaubwürdig oder glaubwürdig“ ein
  • knapp 70% der Nutzer von Customer Review Sites sichtet bis zu 20 Bewertungen eines Hotels

… die ersten drei Punkte waren für mich nicht überraschend. Vor allem, weil die Befragten der Studie ausschließlich Nutzer von Customer Review Seiten waren. Natürlich informieren die sich dann auch über Customer Reviews.

Der letzte Punkt gibt mir allerdings zu denken. Eher beiläufig erwähnte Prof. Conrady bei seinem Vortrag, dass Leute etwa elf Stunden (!) für die private Urlaubsrecherche aufwenden und dabei im Schnitt neun Websites besuchen.

Dieser Aufwand ist wirklich enorm. Was verleitet uns (ich will mich da gar nicht ausschließen), elf Stunden Zeit für die Reiseplanung zu opfern? Mangelndes Vertrauen in Reisebüros? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus (Hoffnung auf) Schnäppchenjagd, großem Ego und Spaß beim Stöbern. Aber mal im Ernst, oft ist das Review-Lesen und Vergleichen doch auch ziemlich frustrierend. Ein Paar Euro Investition in (eins der wenigen überbliebenen) Reisebüros wäre doch ne Überlegung wert.

Tipps von Prof. Conrady für Nutzer von Customer Review Seiten: 

Reiseplaene

  1. Mehrere Customer Review Sites nutzen
  2. Mehrere Parameter sichten (Gesamtnote, Weiterempfehlung etc.)
  3. Ausführlichkeit beachten (Anmerkung: Sind nicht gerade ausführliche Bewertungen eher gefälscht??)
  4. Anzahl der Bewertungen beachten! (am sichersten denke ich)
  5. Zweifelhafte Bewertungen melden
  6. Autor überprüfen (Anmerkung: Das übersteigt sogar die elf Stunden…)
  7. Auszeichnungen der Plattformen auf Aktualität überprüfen (Anmerkung: Kann man die nicht leicht fälschen??)
  8. Kommentare der Hoteliers unter den Bewertungen beachten

Alles in Allem ein spannendes und sicher noch eine Weile aktuelles Thema. Ich frage mich nach dem Gastvortrag vor allem: Wie viele Menschen würden gleich ins Reisebüro gehen, wenn sie vorher schon wüssten, wieviel Zeit sie für die private Reiserecherche benötigen?

Klar kostet eine fachkundige Beratung und wahrscheinlich wird man da auch nicht das billigste Hotel finden. Aber Zeit ist schließlich auch Geld. Und nur weil man’s selbst machen kann, heißt nicht, dass man es auch sollte. Außer natürlich es macht wirklich Spaß.

Corinna Günther

Ich bin eine sprachbegeisterte Hobby-Fotografin mit Liebe zum Detail. Seit der Lektüre von Pascal Merciers "Nachtzug nach Lissabon" verliebt in die Philosophie, möchte ich das Leben im Alltag mit mehr Achtsamkeit beobachten, genießen und verknüpfen.

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