Interview mit einer Ex-Vegetarierin

 
1 Mag ich
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„In Frankreich bin ich auf völliges Unverständnis gestoßen“

Die 24-jährige Elisabeth A. ernährte sich viele Jahre lang vegetarisch. Im Gespräch erzählt sie mir, warum sie nun doch wieder auf Fleisch zurückgreift und inwiefern ein Umzug nach Frankreich ihr Essverhalten beeinflusste. (Interview vom Dezember 2012)

Du warst 9 Jahre lang Vegetarierin und isst nun seit 6 Jahren doch wieder Fleisch. Was hat dich damals dazu bewogen, darauf zu verzichten?
Der Geschmack von vielen Fleischsorten und vor allem grobes Fleisch mit Knorpel. Diese Faktoren haben bei mir regelmäßig ein Ekelgefühl ausgelöst. Da es mir irgendwann zu kompliziert wurde, überall erklären zu müssen, welches Fleisch ich esse und welches nicht, habe ich beschlossen, vollständig auf Fleisch zu verzichten.

Wie waren die Reaktionen deiner Mitmenschen? Gab’s auch Leute, die deine Entscheidung kritisiert haben?
In Deutschland gab es wehr wenige Reaktionen in meinem Umfeld. In Frankreich ist es jedoch fast unmöglich auf Fleisch zu verzichten, da sehr ausgeglichen gegessen wird. Ich bin dort also auf völliges Unverständnis gestoßen. (Ein französischer Freund, der eigentlich Vegetarier war, wurde zu Hause zum Fleischessen gezwungen)

Und hast du auch mit dem Gedanken gespielt, dich sogar vegan zu ernähren?
Nie! Ich liebe Honig, Eier, Milch et cetera.

Die beliebte Frage an Vegetarier: Was ist mit Fischen? Darf man die essen oder gehören die auch zu den fühlenden Lebewesen, die man schützen sollte?
Ich wurde nicht aus Tierschutzgründen Vegetarier, obwohl ich diese Denkweise nachvollziehen kann. Da es bei mir um den Geschmack ging und die Konsistenz des Fleisches ging, konnte ich Fisch essen.

Warst du während der 9 Jahre konsequent Vegetarierin? oder gab es Momente, wo dich die „Fleischeslust“ doch überkam?
Ich habe bis heute keine „Fleischlust“. ich war also ohne Probleme sehr konsequent.

Und was war dann letztendlich auch ausschlaggebend, doch wieder Fleisch zu essen?
McDonald’s! Nach einem Discobesuch mit Freunden und einem anschließenden Gang zu McDonald’s hatte ich eine „tierische“ Lust auf etwas Deftiges: Mc Chicken. Und dann habe ich nach und nach wieder angefangen Fleisch zu essen, weil es doch nicht so schlimm war.

Ernährst du dich heute bewusster als Menschen, die immer Fleisch gegessen haben?
Nein, aber ich verzichte weiterhin sehr häufig auf Fleisch. Wenn ich für mich alleine koche, esse ich meistens vegetarisch.

Du warst konsequent Vegetarierin. Gab es denn während dieser Zeit gesundheitliche Nebenwirkungen?
Nein, ich glaube nicht. In Frankreich wurde mein Fleisch immer durch ein Ei ersetzt.
Skandale wie das „Gammelfleisch“ hat viele Leute zum Vegetarier gemacht. Allerdings gibt es gehäuft Berichte über schädliche, nichtfleischliche Lebensmittel wie die Dioxin-Belastung in Eiern. Wie denkst du darüber?
Es gibt viele Dinge, die für unseren Körper schädlich sind. Ich kaufe bewusst Bio-Gemüse und Obst, aber ich fände es zu anstrengend auf alle Schadstoffe zu achten. Skandale werden meistens von den Medien hochgespielt und sollten nicht verallgemeinert werden. Trotzdem sollte man ein Gefühl dafür entwickeln, was sehr schlecht ist für den Körper und gute Dinge unterstützen!

Was könnte die Industrie ändern?
Die Industrie kann nichts ändern, weil sie auf Profit aus ist und in Massen produziert, wettbewerbsfähig sein muss und so weiter… Sie kann sich nur ändern, wenn sich die Nachfrage ändert. Der Bio-Trend ist ein Anfang, jedoch sollten die Minimum-Standards erhöht werden, damit nicht jeder auf sein Produkt „Bio“ schreibt, ohne etwas an der Produktion zu verändern. Wenn die Industrie etwas Gutes tut, geht es leider meistens um das Image! Fazit: Die Mentalität der Konsumenten muss sich ändern (dank Aufklärung), dann kann sich die Industrie ändern – zum Beispiel durch nachhaltige Produktion.

Zum Schluss, was kannst du Menschen auf den Weg geben, die sich auch bewusster ernähren wollen?
Alles in Maßen verspeisen, lokale Produkte kaufen, sich ansonsten über die Herkunft informieren oder auf Nährstoffe achten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Corinna Günther

Ich bin eine sprachbegeisterte Hobby-Fotografin mit Liebe zum Detail. Seit der Lektüre von Pascal Merciers "Nachtzug nach Lissabon" verliebt in die Philosophie, möchte ich das Leben im Alltag mit mehr Achtsamkeit beobachten, genießen und verknüpfen.

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