Print mal endlich anders – bitte

 
11 Mag ich
1 Sekunde

Die Auflagen sinken, die Journalistenzahl in Zeitungen schrumpft, die Qualität mit ihnen und die Auflagen sinken. Um ein Überleben zu sichern, schließen sich mehrere Häuser zusammen. Überall liest man die gleichen Texte aus den gleichen Agenturen, die sich oft nur durch verschiedene Zwischenüberschriften unterscheiden.

Zwar bin ich noch lange kein Journalismus-Experte, aber mit meinen bisher gesammelten Erfahrungen aus Studium und Praxis habe ich eine eigene Vorstellung von einer möglichen Zukunft der Zeitungen. Eigentlich gilt es doch, die Brücke zwischen Unterhaltung bzw. interessanter Aufbereitung und anspruchsvollem Inhalt so zu schlagen, dass der Leser die Zeitung wieder als besonderes Angebot wahrnimmt.

Ich lese keine Zeitung, um zu erfahren, was gestern und vorgestern (oder noch früher) passiert ist. Dafür habe ich schon längst mehr als genug andere Medien – selbst die TV-Nachrichten am Abend sind hier nicht schnell genug. Wenn ich etwas Ungewöhnliches in meiner Umgebung bemerke (andauernde Sirenen, aufsteigenden Rauch o.ä.), schaue ich zuerst bei Twitter nach. Bei tagesaktuellen Nachrichten sind Online-Portale für mich am effizientesten.

Storytelling

Wozu also noch die gedruckte Zeitung? Ich bin ein großer Fan von Papier. Ich liebe Bücher – auch wenn ich unterwegs mein Kindle nutze, aus Gewichtsgründen. Die Zukunft der Zeitung ist meiner Meinung nach das Storytelling. Wir müssen die Menschen da ansprechen, wo Papier den Bildschirm übertrumpft. Und ich kenne genug Bücherwürmer, um zu ahnen, dass es da draußen eine Menge von Papierliebhabern gibt.

Korrespondenzen statt Nachrichten. Hintergrund statt Aktualität. Geschichten statt reiner Information.

Meine Vorstellung einer modernen Zeitung hat große Artikel über Menschen in Krisengebieten, Frage- und Antwort-Texte über komplexe Themen und zu allen aktuellen Brennpunkten einen Infokasten mit den letztmöglichen Zahlen und Fakten. Welchen Grund sollte es haben, die Fakten präsent als Hauptartikel zu verwerten, wenn spätestens ab Mitte des Textes für regelmäßige Zeitungsleser (und die wollen wir ja ansprechen) nur noch alte Kamellen zu lesen sind.

Als zusätzliches unabdingbares Element sehe ich Crossmedia. Zwar ist die Verbindung zwischen gedruckter Zeitung und Online-Inhalten etwas schwierig, aber regelmäßige Hinweise auf und vor allem auch Thematisierung von (!) digitalen Elementen halte ich für wichtig. Ich stelle mir da beispielsweise grob eine regelmäßige und reflektierte Auseinandersetzung mit heiß diskutierten Twitter-Themen vor.

Zuletzt bemängele ich das Format der meisten Zeitungen. Schon oft gab es Ansätze, die in meinen Augen und für meine Hände riesigen Blätter zu verkleinern. Warum sehe ich immer noch fast ausschließlich Zeitungen in dieser Form? Weil der durchschnittliche Leser immer älter wird und keine Reformen mag? Bei Zeitschriften hat sich das häufiger durchgesetzt. Ein handliches Format, festeres (und dadurch leider auch teureres) Papier und eine angemessene Schrift- und Bildgröße, bitte.

Geschichten über das Leben in Brennpunkten

Was habe ich dann am Ende als Leser für einen Mehrwert, wenn ich eine Zeitung kaufe? Ich habe noch immer die aktuellen Topthemen, die eine Zeitung von den meisten Magazinen unterscheidet. Aber jetzt lese ich etwas über Fischer im Gazastreifen, über eine Frau, die Libyer über Hygiene aufklärt oder über den allgemeinen Protest an der Küste Syriens gegen ein neues Luxus-Einkaufszentrum mitten im Bürgerkrieg. Ich erfahre etwas über das Leben, statt über die Worte und Taten einzelner mächtiger Menschen.

Die Verantwortung, die mit solchen Texten einhergeht, ist groß. Und sicher gibt es einige andere Schwachstellen meiner Vorstellung, aber ich würde mich freuen, wenn die Zukunft der Zeitung in diese Richtung gehen würde. Dann würde ich auch gern wieder zur gedruckten Information zurückgreifen.

Corinna Günther

Ich bin eine sprachbegeisterte Hobby-Fotografin mit Liebe zum Detail. Seit der Lektüre von Pascal Merciers "Nachtzug nach Lissabon" verliebt in die Philosophie, möchte ich das Leben im Alltag mit mehr Achtsamkeit beobachten, genießen und verknüpfen.

One Comment:

  1. Und genau deswegen haben manche ja auch schon umgedacht, z.B. die SZ mit ihrer neuen Ausgabe am Wochenende, die mit ihren Hintergrundgeschichten sehr der Wochenzeitung „Zeit“ ähnelt. Langsam wird auf das veränderte Leserverhalten reagiert – hoffentlich kommt das alles nicht zu spät.

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